Die stille Störung: Plötzlicher Hörverlust und seine Folgen
Plötzlicher Hörverlust (Sudden Sensorineural Hearing Loss, SSNHL) ist ein medizinischer Notfall, der meist einseitig auftritt und innerhalb von Stunden oder Tagen zu einer deutlichen Hörminderung führt. Die genaue Ursache bleibt in vielen Fällen unklar, doch die Forschung hat einen zentralen Faktor identifiziert: eine gestörte Durchblutung der Cochlea. Die Haarzellen des Innenohrs sind extrem empfindlich gegenüber Sauerstoffmangel. Bereits eine kurze Unterbrechung der Mikrozirkulation kann zu irreversiblen Schäden führen.
Die Mikrozirkulation der Cochlea: Ein empfindliches Netzwerk
Die Blutversorgung der Cochlea erfolgt über die Arteria labyrinthi, einen Endast der Arteria cerebelli inferior anterior. Dieses Gefäßsystem ist besonders anfällig für Durchblutungsstörungen. Studien des National Institute on Deafness and Other Communication Disorders (NIDCD) zeigen, dass eine verminderte Durchblutung zu einer Hypoxie der Haarzellen führt, was wiederum die Freisetzung von Entzündungsmediatoren und oxidativem Stress auslöst. Die Folge: Die Haarzellen sterben ab, und das Hörvermögen sinkt drastisch.