Wenn das Ohr selbst zur Lärmquelle wird
Mehr als 15 Millionen Erwachsene in Deutschland leiden unter chronischem Tinnitus – einem Phantomgeräusch, das ohne äußere Schallquelle entsteht. Die meisten Betroffenen beschreiben den Klang als hochfrequentes Pfeifen, Zischen oder Klingeln. Was viele nicht wissen: Dieses Symptom ist oft nicht das eigentliche Problem, sondern ein Hinweis auf eine tiefer liegende Störung im Hörsystem.
Für die meisten Behandlungsansätze steht das Innenohr (Cochlea) im Mittelpunkt. Doch warum versagen herkömmliche Therapien so häufig? Die Antwort liegt in der Mikrozirkulation – dem feinen Netz aus Blutgefäßen, das die empfindlichen Haarzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Wenn die Durchblutung nachlässt, werden die Haarzellen geschädigt und senden unkontrollierte Signale an das Hörzentrum im Gehirn – der Tinnitus entsteht.
Die erschreckende Wahrheit über die Durchblutung Ihres Innenohrs
Die Cochlea ist eines der am stärksten durchbluteten Organe des menschlichen Körpers. Ihre Blutversorgung erfolgt über die A. labyrinthi, einen dünnen Ast der A. cerebelli inferior anterior. Schon geringe Veränderungen des Blutflusses – etwa durch Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Stress – können zu einer Unterversorgung führen.
Eine Studie der Harvard Medical School aus dem Jahr 2019 untersuchte die Cochlea-Durchblutung bei Patienten mit chronischem Tinnitus. Dabei zeigte sich: Die betroffenen Innenohren wiesen eine um durchschnittlich 23% geringere kapillare Durchblutung auf als die Ohren gesunder Probanden. Die Autoren schlussfolgerten, dass eine gestörte Mikrozirkulation zu oxidativem Stress und einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter im Hörsystem führt – die ideale Brutstätte für Tinnitus.